IKF-News Dezember 2016
Interview mit dem IKF-Dozenten Martin Amacher

IKF: Herr Amacher, Sie unterrichten am IKF in den beiden Zertifikatskursen CAS Strategie & Leadership und CAS Organisationsentwicklung & Change Leadership. Erzählen Sie uns doch zu Beginn, womit Sie sich beschäftigen, wenn Sie nicht am IKF als Dozent tätig sind?
Martin Amacher: Als Partner der Improvement Group AG unterstütze ich Kunden im KMU Umfeld in der Gestaltung, Erneuerung und Transformation ihrer Organisation. Zusammen schärfen wir die Vision, machen Strategien robust und implementierbar und passen das Führungssystem den Anforderungen an. Da helfen wir mit Leidenschaft und Kompetenz.  

IKF: Welche Erfahrungen und Erlebnisse würden Sie auf Ihrem beruflichen Werdegang als ausschlaggebende Meilensteine ansehen? 
Martin Amacher: Nach meiner Ausbildung als Elektroingenieur nahm ich einen Job als Inbetriebsetzungs-Ingenieur bei Rockwell Automation an, was mir ermöglicht hat, viele kulturelle Erfahrungen in Europa, Afrika und Asien zu sammeln. Dabei habe ich auf praktischem Wege gelernt, was es heisst, Verantwortung für ein Kundenversprechen zu übernehmen und die Produktionsanlage auf den Zieltermin in die Produktion zu führen.
Die zweite berufliche Erfahrung ist mit einem Misserfolg verbunden. Im Jahre 2002 war ich Mitglied eines Projektleitungsteams, welches ein grosses Prozess- und IT-Projekt geleitet hat. Dieses Projekt mussten wir stoppen, nachdem wir schon knapp CHF 50 Mio ausgegeben hatten. Mängel im Projekt-Risikomanagement sowie Umfeld- und Stakeholder-Management waren die Ursachen dafür. Aus Fehlern lernen wir. 
Die dritte wichtige Erfahrung war für mich die Übersiedlung meiner Familie nach Kanada, um dort einen Business Turnaround und eine Firmenintegration (Post Merger) zu gestalten und die Implementierung zu unterstützen. Diese Erlebnisse haben Teil meines Denkens und Handelns geprägt. Die damals entstandenen Beziehungen und wertvollen Erfahrungen bereichern noch heute mein Leben.


IKF: Sie sind Teil des Vierer-Dozenten-Teams im CAS Strategie & Leadership. Wem würden Sie diesen Zertifikatskurs empfehlen und weshalb?
Martin Amacher: Den Kurs empfehle ich intrinsisch motivierten Menschen, welche gerne in einem komplexen Umfeld Entwicklung und Transformation gestalten und führen wollen. Menschen, welche einen substantiellen und nachhaltigen Beitrag im Unternehmen leisten wollen. Menschen, welche Unternehmer und nicht «Unterlasser» sein wollen. Menschen mit ersten Führungserfahrungen, welche persönliches Wachstum suchen und ihr Führungs- und Methoden-Kompetenzen erweitern wollen. Menschen, welche bereit für «anders» und «ganz anders» sind.
Weshalb? Weil für mich das Wollen vor dem Können kommt. Weil diese Menschen neuzeitliche Methoden und Denkwerkzeuge auf ihrem Weg benötigen.


IKF: Im CAS Strategie & Leadership lehren Sie als Dozent unter anderem über Strategie Implementierung und Innovations-Verbesserungs-Ansätze. Was fasziniert Sie an diesen Themengebieten?
Martin Amacher: Wir wollen alle erfolgreich sein und unsere Mission verstehen und umsetzen. Dabei fasziniert mich, über Entscheidungsoptionen zu verfügen, welche die Zukunft mitgestalten, und den Weg dahin zu definieren. Als Führungsperson in der Vergangenheit und als Berater heute will ich zudem adäquate Methoden und Techniken anwenden, welche helfen, diese Kernkompetenzen zu entwickeln, Geschäftsmodelle anzupassen, neue Services zu designen und die Produktivität zu erhöhen. 
Die Unternehmen in der Schweiz indirekt und direkt zu befähigen, ihre Innovationskraft und ihren Mehrwert zu steigern, treibt mich an. Denn damit leisten wir alle einen wesentlichen Beitrag für unser Land.   


IKF: Business-Intelligenz spielt bei Unternehmen in der strategischen Führung & im Controlling eine immer wichtigere Rolle. Können Sie hierzu ein konkretes Best-Practice Beispiel nennen?
Martin Amacher: Noch vor ein paar Monaten gaben sich CFOs damit zufrieden, wenn die Controller die Kosten im Griff hatten und die Risiken bekannt waren und minimiert wurden. Dazu brauchte man einen Zugriff auf die Zahlen der Kostenstellen und den Projektdaten. 
Heute jedoch müssen wir Innovation, Wachstum, Synergien und Effizienz in Unternehmen proaktiver denn je gestalten. Da helfen die teils veralteten Methoden und internen Daten nicht mehr viel. 


Praktisch sieht das so aus: Momentan unterstützte ich gerade eine grössere Firma dabei, interne und externe Daten zu verknüpfen und in wertvolle Informationen umzuwandeln, um Hypothesen der Zukunft zu bestätigen oder zu entkräften. Es geht darum, Muster und Trends in den Daten früher als die Konkurrenz zu entdecken und darauf zu reagieren. Dabei geht nicht nur (wie in der Vergangenheit) um «Financial-Intelligenz», sondern viel mehr um Markt-Intelligenz, Kunden-Intelligenz, Wettbewerber-Intelligenz, Prozess-Intelligenz und Produkt-Intelligenz. Es geht auch um die Definition von Szenarien als Input in den Strategieprozess. 
In diesem Vorhaben ist Data-Management nur der Vorname, denn die wirklichen Herausforderungen liegen in der Entwicklung der Kompetenzen der Controlling-Mitarbeiter. Die Vergangenheitsdaten in SAP hinter sich zu lassen und den Fokus zu ändern, neue Methoden zu adaptieren und andere Tools anzuwenden, steht nun an. Die Mitarbeitenden müssen nun lernen, in Communities statt Abteilungen zu arbeiten, Wissen zu teilen, statt zu dokumentieren, die analytischen Fähigkeiten auszubauen sowie auch Beratungs- und Kommunikationskompetenzen zu erweitern. 
Für die Mitarbeiter heisst das: «Change is given», «Change matters» und «Change happens»! 


IKF: Im CAS Organisationsentwicklung & Change Leadership unterrichten Sie an einem der Kurstage über People-orientiertes Change Management. Was meinen Sie mit people-orientiert und inwiefern ist dieser Aspekt im Change Management wichtig? 
Martin Amacher: «People-orientiertes Change Management» bedeutet für mich: Sinn und Visionen zu vermitteln, Leidenschaft zu entwickeln und zu nutzen. mutig zu sein, Menschen abzuholen und früh mit echtem Interesse zu involvieren.
Im Change Management Prozess ist es wichtig, die Menschen mental und gedanklich abzuholen und ihnen das «Wozu» und das «Wie» zu erklären. Auch sollten gute Führungskräfte mögliche Barrieren und Stolpersteine antizipieren und diese eliminieren oder umgehen. Ehrliche, offene und transparente Führung ist gefragt, denn die Menschen wollen wissen, woran sie sind, was sie gewinnen und verlieren können.
Die Technik spielt in der heutigen Transformation zwar eine bedeutende, jedoch nur eine unterstützende Rolle. Technik (Modewort der «Digitalisierung») befähigt uns, andere Dinge zu tun und die Dinge anders anzugehen. Doch der kritische Erfolgsfaktor in den vergangenen grossen Veränderungsprojekten war und ist immer der Mensch. Wirksame Führung ist im People-orientierten Change Management enorm wichtig, denn die Menschen in Unternehmen folgen gerne einem «Leader», wenn dieser/diese mutig voranschreitet und den Worten Taten folgen lässt.


IKF: Was denken Sie, welche Rolle wird Change Management in Zukunft spielen und inwiefern beinflussen Globalisierung und Digitalisierung das Change Management?
Martin Amacher: Wie schon erwähnt, «Change is given». Nach Führung fragt der Mensch vor allem dann, wenn grosse Herausforderungen und Veränderungen anstehen. Die Globalisierung, die Vernetzung, neue Technologien und das Verhalten der neuen Generationen treiben die Veränderungen an. 
Meine Prognose lautet: Administration wird automatisiert, Management wird zu Change Management und Leadership wird zu Change Leadership.
«Change-the-Business» wird Führungskräfte in der Zukunft noch mehr als «Run-the-Business» beschäftigen. Ein wesentlicher Anteil des Tagesgeschäftes wird bald automatisiert sein und durch Roboter ausgeführt werden oder noch mehr in Billiglohnländern angesiedelt. Nach dem Industriesektor wird auch der Dienstleistungssektor Evolutionen durchgehen. Ergo werden professionelles Change Management und Selbst-Management an Bedeutung zunehmen!


IKF: Sie haben selbst am IKF den MBA Global Leadership absolviert. Wieso haben Sie sich für diesen Studiengang am IKF entschieden?
Martin Amacher: Das ist nun schon eine Weile zurück, lassen sich mich kurz nachdenken…
Ah richtig, erster Grund für die Wahl des IKF war die Flexibilität der Schule, sich den MBA-Kursinhalt individuell und modular nach Interessen und Bedürfnissen zusammensetzen zu können. Ich konnte mich mit Professor Dietmar Treichel zusammensetzen und meine Lerninhalte wie bei einem Puzzle zusammenstellen. Zweiter wichtiger Grund war die ausgewogene Mischung von Theorie und Praxis, sowohl im Curriculum, als auch bei der Dozenten-Liste. Letzter Grund war, dass ich Ähnliches in der Schweiz an einer anderen Schule nicht finden konnte, also war die Wahl für mich klar.


IKF: Rückblickend auf das Studium, was haben Sie am Unterricht besonders geschätzt?
Martin Amacher: Rückblickendbin ich froh, dass es kein typischer Schulbetrieb war und dass ich meine Eigenverantwortung ausleben konnte. Ich schätzte die vielen Impulse und unterschiedlichen Sichtweisen von Dozenten und Teilnehmenden. 
Zudem wertschätze ich, dass ich mein Netzwerk am IKF erweitern konnte. Bis heute treffe ich mich noch mit ehemaligen Kursteilnehmenden, um mich auszutauschen, neue Ideen zu entwickeln und sogar zusammen auf partnerschaftlicher Basis Geschäfte zu machen.


IKF: Vielen Dank für das spannende Gespräch, lieber Herr Amacher! 
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